Was meint Paulo Freire mit „bildhaften Kodierungen“?

Verstehen durch Bilder – und politisches Lernen ermöglichen

Paulo Freire beschreibt „bildhafte Kodierungen“ als Darstellungen von realen Situationen, die in einer bestimmten Gemeinschaft als relevant, problematisch oder symbolisch aufgeladen erlebt werden. Diese Kodierungen sind mehrdeutig, sie fordern zur Interpretation auf – und laden so zum Nachdenken und zur gemeinsamen Analyse ein. Freires Ziel: Unterdrückte sollen ihre Realität besser verstehen lernen, indem sie über konkrete Bilder Zugang zu abstrakten Machtverhältnissen gewinnen.

Auch in der partizipativen Forschung mit Berufsschüler:innen entstanden solche bildhaften Kodierungen: Alltagssituationen, Narrative oder Symbole, die gesellschaftliche Problemlagen, Lernprozesse und Verhältnisse im Bildungssystem verdichten. Diese bildhaften Bezugspunkte wurden im Projekt gemeinsam entwickelt und interpretiert. Sie dienen als Ausgangspunkt für politisches Lernen „von unten“ mit Schüler:innen, aber an dieser Stelle insbesondere auch der eigenen Reflexion als Lehrkraft.

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Entschlüsselung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen als Aufgabe von Bildung beschreibt Prof. Dr. Joachim Schroeder in einem kurzen Interview: Bildung und Macht – Interview zum „Paulo Freire Kongress“ 2018 an der Universität Hamburg

Eine ausführliche Lektüre, bspw. für die Ferien, aber immer wieder sehr interessant – und auf eine Art immer noch aktuell für Bildung im Kapitalismus: Paulo Freire (1971): Pädagogik der Unterdrückten

Wer es etwas praktischer möchte, dann Paulo Freire (1977): Erziehung als Praxis der Freiheit. Beispiele zur Pädagogik der Unterdrückten